Serie CDU-Vorsitz: Das Rennen wird enger

CDU-Vorsitz aus Big Data Sicht: Das Rennen wird enger
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HASE & IGEL blickt durch die Big Data Brille auf das Rennen um den CDU-Vorsitz – erlaubt uns die Analyse aller Suchanfragen bei Google sowie der Beiträge in journalistischen und sozialen Medien, einen Sieger vorauszusagen? In der 2. Runde wird das Rennen enger – und noch spannender!

Letzte Woche haben wir in einer Erstanalyse vorhergesagt

  1. Der Höhenflug von Friedrich Merz wird bald enden, die Kandidaten landen nah beieinander.
  2. Annegret Kramp-Karrenbauer hat gute Potenziale, wenn sie zu nutzen versteht, dass sie die Menschen bisher überdurchschnittlich gut aktivieren kann und das beste emotionale Echo erzielt.
  3. Ob Friedrich Merz die bisher zugeschriebene Favoritenrolle behält, hängt stark davon ab, ob es ihm künftig deutlich besser gelingt, Menschen zu aktivieren und sie emotional zu erreichen.
  4. Jens Spahn hat mit der negativsten Resonanz zu kämpfen, vor allem in Social Media. Um eine Chance zu bekommen, muss er positiver durchdringen.

Diese Woche sehen wir uns in Vielem bestätigt – und das Rennen ist enger denn je! Blicken wir auf die Resultate:



Erkenntnis #1: Das Feld liegt nun nah beieinander, keiner kann sich nachhaltig absetzen – Spahn ist im Aufwind, Kramp-Karrenbauer fällt zurück.

Die klare Führung von Friedrich Merz hat sich aufgelöst: bei Google suchen seit der letzten Welle die meisten Menschen nach Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer liegt jedoch mit Merz gleichauf kurz dahinter. Sowohl Spahn als auch Kramp-Karrenbauer konnten zwischenzeitliche Wellen für sich verbuchen, während das Interesse an Merz weiterhin nur eine Richtung kennt: abwärts. Ein seit über einer Woche andauernder Negativtrend ist jedoch auch für Kramp-Karrenbauer zu verzeichnen.

In den Medien hält die Führung von Merz noch an, ist jedoch deutlich geschrumpft: Wo die journalistischen Medien wenig Veränderung zeigen und recht ausgeglichen berichten, hat der Merz-Hype in sozialen Medien deutlich nachgelassen: dominierte er das Feld dort mit 50% Anteil, ist dieser Vorsprung um rund ein Fünftel geschrumpft. Während Jens Spahn in journalistischen wie sozialen Kanälen deutlich im Aufwind ist, verliert Annegret Kramp-Karrenbauer seit einer Woche kontinuierlich den Anschluss an ihre Wettbewerber.

Gemessen an der Berichterstattung konnte Spahn stärker als bislang mobilisieren und zieht an Kramp-Karrenbauer vorbei, wenn es um die Reaktionen (z.B. Kommentare, “gefällt mir”-Angaben, Shares) geht, die Erwähnungen von ihm auslösen. Merz bleibt hier im Verhältnis blass.



Erkenntnis #2: Merz weckt etwas positivere Emotionen, rückt näher an Kramp-Karrenbauer heran. Spahn bleibt negativ besetzt.

Jens Spahn vermochte zwar somit wesentlich besser als zuvor, sich ins Gespräch zu bringen – jedoch nicht, den Menschen positive Gefühle zu entlocken. Im Gegenteil: er bleibt der Kandidat, der am Meisten polarisiert, und wird dabei sogar noch etwas negativer wahrgenommen als bisher, fällt deutlich hinter Merz zurück.

Friedrich Merz hingegen konnte zeitweilig eine “Charmeoffensive” starten, die ihm erheblich mehr – und positivere – emotionale Resonanz bescherte. Der Höhenflug, bei dem er zwischenzeitlich sogar klar in Führung lag, endete jedoch zu Wochenbeginn mit einem regelrechten Absturz. Unterm Strich bleibt jedoch ein günstigeres Bild – und weniger Vorsprung für Kramp-Karrenbauer.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist weiterhin die Kandidatin, die am Ehesten positive Gefühle weckt. Jedoch gelingt es ihr im Vergleich zu ihrem “Start” inzwischen weniger, überhaupt emotional anzusprechen – knapp 9% weniger Äußerungen zu ihr zeigten ein emotionales Involvement.



Erkenntnis #3: Regionale Lager beginnen sich abzuzeichnen.

Das Interesse an den Kandidaten verteilt sich nicht gleich auf die Republik: In Hamburg führt Merz, in Berlin und Hessen liegt er ungefähr mit Spahn gleichauf. Dieser hingegen beschäftigt die Menschen besonders in Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Kramp-Karrenbauer verzeichnet im angestammten Saarland sowie in der Pfalz eine Führung und setzt sich in Bremen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg zumindest klar von Merz ab.

Die Daten zu den regionalen Unterschieden erlauben noch keine robuste Trendanalyse, in aller Vorläufigkeit kann man aber eine (wirklich) kühne These aufstellen: Spahn weckt Interesse vor allem in Ostdeutschland, Kramp-Karrenbauer außerhalb der Heimat tendenziell in Flächenstaaten, Merz eher in Stadtstaaten/Ballungsgebieten (vieles des hessischen Interesses geht auf Frankfurt und Kassel zurück).



Erkenntnis #4: Die CDU kann die Situation derzeit nicht nutzen, um nachhaltig interessanter zu werden.

Der überraschende Rückzug von Angela Merkel, die ebenso überraschende Kandidatur von Polit-Aussteiger Merz – die CDU war auf einmal wieder so interessant geworden, dass sie selbst zeitweilig die AfD aus dem Rampenlicht der Dauerdiskussionen verdrängte.

Seit die Kandidaten eher den gemütlichen Ton untereinander suchen statt einer hitzigen Debatte, ist das Interesse an der Partei wieder merklich abgeflaut und bewegt sich im Vergleich zu den anderen Parteien seit dieser Woche wieder ungefähr auf dem Niveau der Wahlergebnisse und Meinungsumfragen – während die AfD wie gehabt völlig überproportional das Bild dominiert.



Wie geht es weiter? Unsere Prognosen:

Blicken wir auf die aktuellen Trends, sehen wir folgende Entwicklungen:

  • Das Feld bleibt dicht beisammen – und ohne “Stars” in den Köpfen und Herzen der Menschen werden (abweichend vom Start-Szenario) parteipolitische Kriterien stärker den Ausgang bestimmen als die Resonanz der Kandidaten.
  • Jens Spahns Öffentlichkeits-Offensive bringt ihm keine Sympathien (und keine größeren Chancen) – drängt jedoch Kramp-Karrenbauer in den Hintergrund.
  • Kram-Karrenbauer vermag immer weniger, ihre relativ höhere Sympathie in Reichweite zu übersetzen. 
  • Lachender Dritter könnte Merz sein… sofern es ihm gelingt, weitere Image-Rückschläge zu vermeiden und die Menschen besser zu aktivieren.
  • Will die CDU das Ringen um den Parteivorsitz für eine politische Revitalisierung nutzen, muss die Debatte um die – und zwischen den – Kandidaten kontroverser geführt werden.

HASE & IGEL bleibt dran – seien Sie gespannt auf den nächsten Teil der Reihe!

Datengrundlage: Untersucht wurden in dieser Welle deutschlandweit vom 5.-14.11. sämtliche öffentlichen Beiträge in sozialen und journalistischen (Online-) Medien, die mindestens 5 Engagements erzielt haben, sowie alle Google-Suchen. Zum Einsatz kamen dabei Talkwalker, Google Analytics und die Mangools Tool-Suite.

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